Freitag, 16. Januar 2009

Aid for Trade: A Silver Bullet for Linking Trade Policy and Poverty Reduction?

Diplomarbeit abgegeben – jetzt kanns wieder losgehen mit dem Bloggen

Tja, die letzten Monate hab ichs einfach echt nicht hinbekommen noch zu Bloggen. Eigentlich wollte ich gerne, aber es war dann doch zu viel zu tun. Ich saß die meiste Zeit in der Stabi in Berlin und hab meine Diplomarbeit geschrieben. Hab mich dabei aus entwicklungs- und wirtschaftssoziologischer Perspektive mit dem aktuellen Aid for Trade Ansatz beschäftigt und diskutiert inwieweit er ein gutes Mittel dafür bietet, Handelspolitik und Armutsreduzierung zu verlinken („Aid for Trade: A Silver Bullet for Linking Trade Policy and Poverty Reduction?“). Nun liegt die Arbeit bei den Profs zur Korrektur und ich hab endlich wieder Zeit für neue Projekte, incl. Bloggen ;-)

Zu Aid for Trade im Allgemeinen gibt’s an sich schon relativ viel Literatur, siehe insbesondere beim ODI. Nachdem OECD und WTO bereits 2007 einen ersten globalen Review zu Aid for Trade veröffentlicht haben („Aid for Trade at a Glance“), wird für Juni 2009 der zweite Review erwartet. Auch das DIE arbeitet derzeit an einer Studie im Auftrag des BMZs. Einen kleinen Überblick über den aktuellen Policy-Diskurs auf multilateralen Ebene kann man in den Papern zum OECD Policy Dialogue on Aid for Trade (vom 3.-4. Nov. 2008) bekommen.

Für einen Literatureinblick interessante Reader, die zuletzt zu Aid for Trade veröffentlicht wurden:
# Njinkeu, Dominique / Cameron, Hugo (eds.) (2008): Aid for Trade and Development. Cambridge: Cambridge University Press
# Razzaque, Mohammad A. / Raihan, Selim (2008): Trade-Development-Poverty Linkages. Reflections from Selected Asian and Sub-Saharan African Countries. Volume I – Country Case Studies. Jaipur: CUTS International (hier eine kleine Online-Version)

Zu dem Thema sollte man auf jeden Fall auch Stiglitz und Charlton kennen: Stiglitz, Joseph / Charlton, Andrew (2007). Fair Trade for All. How Trade Can Promote Development. Oxford: Oxford University Press (hierzu ein kleines Policy Paper in Anlehnung an das Buch)

Zum allgemeinen Verhältnis von Handel und Entwicklung bietet folgender Reader einen ersten Einblick: Page, Sheila (ed.) (2006). Trade and Aid – Partners or Rivals in Development Policy? London: Cameron May

Trotz dieser Vielzahl allgemeiner Literatur ist der konkrete Link zwischen Aid for Trade und Armutsreduzierung jedoch selten ausreichend betrachtet worden. Hierzu gibt’s auf jeden Fall noch einiges zu erarbeiten. Meine Diplomarbeit soll einen kleinen Beitrag dazu leisten.

4 Kommentare:

Franz Kollege hat gesagt…

Was genau ist denn der Aid for Trade Ansatz? Sollen Entwicklungslaender als Gegenleistung fuer Zahlungen ihre Maerkte oeffnen?

Michael Kömm hat gesagt…

Also 'Aid for Trade' wird meist in sechs Hauptkategorien eingeteilt: a) Trade policy and regulations, b) Trade development, c) Trade-related infrastructure, d) Building productive capacity, e) Trade-related adjustment, f) Other trade-related needs. Unter e), also Anpassung gehören auch direkte monetäre Ausgleichszahlungen. Somit kann ich deine Frage bejahen, Aid for Trade Ansätze beinhalten aber meist mehr, siehe u.a. die Kategorien a)-d).

Franz Kollege hat gesagt…

Aber welcher Anreiz besteht, diese Hilfe anzunehmen, wenn nicht die Märkte im Westen geöffnet werden?

Michael Kömm hat gesagt…

Nun, die Frage enthält wohl zwei Aspekte: a) zunächst mal haben ja die LDCs bereits seit langem weitgehend freien Marktzugang in die EU (EBA-Initiative) und in die USA (AGOA) und dennoch konnten sie aus verschiedenen Gründen davon nicht profitieren (auch andere Entw.länder profitieren von anderen präferentiellen Marktzugängen). Aid for Trade nimmt für sich in Anspruch die Kapazitäten der LDCs (z.B.) zu verbessern, damit sie den bereits existierenden Marktzugang in die Märkte des Westens überhaupt nutzen können; b) Aid for Trade ist im Rahmen der WTO-Doha-Runde verstärkt lanciert worden und muss also - auch wenn es nun mehr oder weniger unabhängig vom Ausgang der Runde umgesetzt wird - als gesamtes Verhandlungspaket verstanden werden: dabei würden die Märkte im Westen auch weiter geöffnet werden (ebenso wie bei bilateralen Handelsabkommen). In welchem Ausmaß und ob es ausreichend ist, ist eine graduelle Frage und schwer für alle Länder pauschal zu verallgemeinern. In meiner Diplomarbeit hab ich die entwicklungstheoretischen Ansprüche von Aid for Trade betrachtet und bezüglich ihrer Chance für Armutsreduzierung diskutiert. Die praktische Umsetzung von Aid for Trade - und somit die Frage, welche Teilaspekte der Agenda in der Praxis eine größere Bedeutung bekommen, als im theoretischen Konzept behauptet - habe ich nicht empirisch erhoben (das wäre für eine wissenschaftliche Diplomarbeit ein bisschen zu tricky; wäre eher was für ein politisches Diskussionspapier).