
Auch wenn die aktuellen Vermarktungsprozesse von Baumwolle hier im Bénin keine Besonderheit darstellen, sind diese Abläufe in Europa doch weitgehend unbekannt. Daher fasse ich das hier mal fix zusammen - vielleicht interessierts ja doch die eine oder den anderen.
Zunächst aber vielleicht noch ein kurzer Abriss zum Baumwollanbau selbst: Die Saison („Campagne“) beginnt immer im März-Mai mit dem Einkauf der Samen, die Feldarbeit beginnt im Mai/Juni; "culture attelée", also Einsatz von Ochsen wird leider nur (noch) selten praktiziert, da sich nur wenige Bauern Zugtiere leisten können (wichtiger Hebel für wirtschaftliche Entwicklung!). In den folgenden Monaten gibts diverse Reihenfolgen von Unkraut jäten, Dünger- und Pestizideinsatz (wobei insb. eine spezielle Methode zum reduzierten Einsatz dieser Mittel immer mehr verwendet wird, sog. "Lutte Etagée Ciblée").

Nun zum aktuellen Vermarktungsprozess: Die Ernte der Baumwolle findet hauptsächlich im November/Dezember statt, doch auch heute findet man noch einzelne Felder, die gerade erst abgeerntet werden. Die Baumwolle wird zunächst auf lokalen Märkten zusammengetragen, die von sog. bäuerlichen Kontaktgruppen (GPC) verwaltet werden (wie im Bild zu sehen, werden diese teilweise eingezäunt, um die Baumwolle vor Tieren zu schützen). Die Baumwolle der einzelnen Produzenten wird dabei auf separaten Haufen gelagert und nach und nach abgewogen (teilweise bilden sich auch Solidaritätsgemeinschaften). Externe PrüferInnen kommen zu den Märkten und bewerten die Qualität der Baumwolle (gibt aber nur zwei Kategorien … – tricky Debatte).

Mit Hilfe von Lastwägen wird die Baumwolle darauf zu Entkernungsfabriken gefahren, wobei es manchmal ganz schön abenteuerlich ist, welche Wege dabei zurückgelegt werden müssen, da die Sandpisten meist schlecht präpariert sind. In den Fabriken werden die Baumwollfasern von den Kernen getrennt und für den Verkauf (meist für den Export) verpackt.

Sieht natürlich oberflächlich gesehen recht einfach aus, in der Praxis stecken da natürlich mannigfaltige soziokulturelle und wirtschaftliche Prozesse dahinter: insbesondere der Zugang zu Saatgut/Düngemittel/Pestiziden/Krediten, Wissen und Kapital für diverse Anbaumethoden, bäuerliche „Personalplanung“, aber auch rechtliche Hilfsmittel (Verträge), Qualitätsprüfungsstrukturen, ggf. Zertifizierungssysteme. Abgesehen davon, dass für diese Prozesse meist viele verschiedene staatliche und nichtsstaatliche Akteure an einem Strang ziehen müssen.

Diese Woche haben wir die Planung der zweiten Projektphase für „Cotton made in Africa“ abgeschlossen. Da wurden mit den Partnern auch noch mal alle einzelnen, ich sag mal „Baumwoll-Governance-Baustellen“ durchgeackert (CmiA ist ja auch ein PPP). Muss sagen, dass ich nen mega Respekt habe vor der Arbeitsleistung meiner Kollegen habe: die haben die letzten Wochen echt ohne Ende geackert (ein gutes Beispiel, dass die deutsche EZ gar nicht mehr so sehr auf internationale Experts angewiesen ist). Nun steht demnächst die offizielle Eröffnung der zweiten Projektphase für CmiA an.